Brugge: Faszinierende Reise in die Vergangenheit

Die Brügger Innenstadt wird von Grachten durchzogen, hinten rechts der Belfried-Turm. (c) Tomas Kubes / Visitflanders

Die Brügger Innenstadt wird von Grachten durchzogen, hinten rechts der Belfried-Turm. (c) Tomas Kubes / Visitflanders

Mit seinen rotbraunen Backsteinbauten, den idyllischen Grachten und den mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten zählt das belgische Brügge zu den malerischsten Destinationen in Europa. Ein faszinierender Schmelztiegel, der Jahrhundert alte Kultur mit originellem Genuss verbindet.

Um Brügge, das „Venedig des Nordens“, zu erkunden, starten wir mit der klassischen halbstündigen Bootsfahrt durch die Grachten. Wir tuckern gemütlich an Sehenswürdigkeiten sowie verwunschenen Ecken vorbei und fahren unter Brücken hindurch, die so niedrig sind, dass wir reflexartig den Kopf einziehen.

Eine Rundfahrt mit dem Grachtenboot entzückt nicht nur Hobby-Fotografen. (c) Visitflanders

Eine Rundfahrt mit dem Grachtenboot entzückt nicht nur Hobby-Fotografen. (c) Visitflanders

Die einst reiche Handelsmetropole, in der im Mittalalter Diamanten, Gewürze und Wolle feilgeboten wurden,  bietet eine gepackte Ladung an historischen Bauten – vom 83 Meter hohen Belfried-Turm (366 Stufen führen nach oben!) über die imposante Liebfrauenkirche mit der Marmorskulptur „Brügger Madonna“ von Michelangelo bis zum Rathaus aus dem Jahr 1376, wo seit über 600 Jahren die Stadtverwaltung arbeitet.

Brügger Ratshaus (c) Andres Frosch

Brügger Ratshaus (c) Andres Frosch

Nach dem Tod der Herzogin Maria von Burgund (1482) verlor Brügge allerdings an Prestige und Glanz. Die Kaufleute zogen weg, die Stadt verarmte und fortan fehlte das Geld für Renovationen. So blieben zahlreiche alte Bauten erhalten. Ein Glück für die Nachwelt: 2000 erhob die UNESCO die Innenstadt von Brügge zum Weltkulturerbe.

Die Innenstadt von Brügge zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. (c) Visitflanders

Die Innenstadt von Brügge zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. (c) Visitflanders

Im malerischen Brügge gibt es so viel zu entdecken, dass man die Qual der Wahl hat! Beeindruckt hat uns etwa der Jahrhunderte alte, stille Beginenhof – einst Zufluchtsort für unverheiratete Frauen und Witwen (Beginen genannt). Heute noch dürfen nur Frauen bzw. Nonnen in den weiss getünchten Häusern rund um den verträumten Innengarten hausen. Jeweils um 18.30 Uhr wird das Tor zur (männlichen) Aussenwelt geschlossen.

Beginenhof - ein Zufluchtsort für Frauen. (c) Visitflanders

Beginenhof – einst Zufluchtsort für Frauen. (c) Visitflanders

Auch Kulturliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Im Groeningemuseum gibt es Gemälde von altflämischen Meistern zu bewundern. Spannend sind auch Museen, die sich mit Alltagsthemen wie Bier, Diamanten, Fritten, Klöppelspitzen oder Schokolade befassen.
Brügges lebendige Kreativität zeigt sich nicht nur mit Kunstausstellungen und kulturellen Events, sondern ebenso im kulinarischen Bereich.

Allem voran mit Schokolade. Von den über 50 Chocolatiers vor Ort  ragt einer besonders heraus: Dominique Persoone. Der „Schoko-Rockstar“ hat viele Fans – darunter weltbekannte Sterneköche. Ob Pralinen mit Koriander, Safran oder Speck, ob eine Maschine, um Schokolade zu „sniffen“ (kreiert für eine Party der „Rolling Stones“) oder eigene Plantagen in Mexiko, um alte Kakao-Sorten zu retten: Persoones Erfindergeist kennt keine Grenzen.

Stets am Tüfteln: Dominique Persoone zählt zu den innovativsten Chocolatiers. Hier mit der „Schnüffel-Maschine“, die er für die Rolling Stones erfand. (c) Andres Frosch

The Chocolate Line – der nostalgische Laden von Persoone in der Brügger Innenstadt.

In seiner Schoko-Boutique verkauft Persoone auch Kakao und Gewürze von seiner mexikanischen Plantage. (c) Andres Frosch

Hier verkauft Persoone auch Kakao und Gewürze von seiner mexikanischen Plantage. (c) Andres Frosch

Die Grachtenstadt bietet Feinschmeckern zudem beeindruckend viele Spitzenrestaurants, von denen über 30 im Michelin oder Gault Millau empfohlen werden! Rundum überzeugt hat uns das kleine Newcomer-Lokal „Bistro Bruut“ von Bruno Timperman und seinem Neffen Bas. Das coole Duo kreiert alle paar Wochen ein geschmacklich überraschendes Mehrgang-Menü mit regionalem Fisch/Fleisch, saisonalem Gemüse und frischen Kräutern. Und bedient seine Gäste mit viel Humor an groben Holztischen mit bequemen Ledersesseln und hauseigenem Gin-Apéro.

Zu Besuch im Bistro Bruut (v.r.n.l.): Chefkoch Bruno Timperman, Marie-Luce, Gastgeber Bas Timperman, Andres Frosch.

Bistro Bruut: mit 14 Punkten von GaultMillau empfohlen.

Bistro Bruut: ein lukullisches Erlebnis – mit 14 Punkten von GaultMillau empfohlen.

Fangfrisch auf den Tisch: Fisch und Meeresfrüchte direkt von der Nordsee sind typisch für Brügge.

Fangfrisch auf den Tisch: Fisch und Meeresfrüchte direkt von der Nordsee sind typisch für Brügge.

ALLGEMEINE INFOS

Anreise: Nonstop-Flüge ab Zürich oder Basel nach Brüssel. Dann weiter mit dem Zug oder Taxi (rund eine Stunde).

Stilvolle Unterkunft: das Grand Hotel Casselbergh**** liegt nur wenige Schritte vom historischen Zentrum entfernt: www.grandhotelcasselbergh.com

Reisezeit: im Sommer sehr viele Touristen. Wer es ruhiger mag, kommt im Herbst oder Winter.

Brügge City Card: bietet Gratis-Eintritt zu 27 Museen und Sehenswürdigkeiten. Kostenlos sind auch Grachten-Rundfahrten (garantierte Fahrten vom 1.3. bis 15.11.). Erhältlich als 48- oder 72-Stunden-Pass.

Weitere Infos:

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy