Im Reich des gesunden Salzes

In der Saline wurde seit dem 13. Jahrhundert Salz gewonnen. (C) CRT Bourgogne-Franche-Comté

Das Kleinstädtchen Salins-les-Bains im französischen Jura, einst mondäner Kurort im 19. Jahrhundert, lockt mit neuem Thermalbad sowie kulturellen und kulinarischen Köstlichkeiten.

Der lebhafte 3000-Seelen-Ort, der sich rund 80 Kilometer von der Westschweizer Grenze zwischen zwei felsig-grünen Burghügeln erstreckt, ist hierzulande wenig bekannt – obwohl von hier aus bis etwa 1840 lebenswichtiges Salz über das Juragebirge in die Schweiz importiert wurde. Die Salzgewinnung spielt in Salins-les-Bains seit Jahrhunderten die Hauptrolle. Davon zeugen die eindrucksvollen unterirdischen Stollen der grossen Saline aus dem 13. Jahrhundert, die seit 2009 zum Unesco-Welterbe gehören. Über eine längere Treppe gelangt man in den Stollen-Untergrund und wieder hoch ins Museum und erfährt, unter welch harten Bedingungen das «weisse Gold» früher gewonnen und aufbereitet wurde. Um 1850 kam ein Arzt auf die Idee, die hochwertige Sole auch für die Gesundheit zu nutzen.

Das Zentrum von Salins-les-Bains, hinten links das Grand Hôtel. (c) M.COQUARD et E.DETREZ Bestjobers / Bourgogne-Franche-Comte Tourisme

Es war die Zeit, als in ganz Europa der Thermal-Tourismus erwachte. Rund um die kleine, zentrale «Place des Alliés et de la Résistance» entstanden Thermalbad, Casino und das Kurhotel Grand Hôtel des Bains – gleich über einer der beiden lokalen Solequellen, die sich in rund 250 Metern Tiefe befinden. Diese Quellen weisen einen extrem hohen Salzgehalt auf, fast so hoch wie im Toten Meer, und sind reich an Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium und Kalzium – ein wohltuender Mix für Rheumageplagte.

Das neue Thermalbad punktet mit hochwertiger Sole aus lokaler Quelle.

2017 wurde rund 15 Gehminuten bzw. vier Fahrminuten von der bisherigen Therme die neue, moderne ThermaSalina eröffnet. Im hinteren Teil der 2800 m² grossen Anlage, die morgens für Kurgäste reserviert bleibt, geniessen wir eine tief entspannende Ganzkörper-Salz-Schlammpackung und danach eine belebende Rückenmassage unter sanftem Salzwasserstrahl. Im vorderen Spa-Bereich laden ein warmes Salzwasserbecken (Badekappe obligatorisch), Sauna, Hamam und Caldarium zum Wellnessen ein. Da es am Wochenende eng wird, lohnt es sich, die Therme unter der Woche zu besuchen.

Leckere Spezialität: Saucissons, gewürzt mit Wein aus Arbois. (c) Andres Frosch

In Salins-les-Bains geht es nicht nur um Gesundheit, sondern ebenso um Genuss! Die Region bietet nebst den renommierten Käsesorten Comté und Morbier auch hochwertige Wurstwaren, Forellen und im Herbst frische Pilze an. Authentische Küche entdeckten wir im populären Bistro «Le Petit Blanc» mit seinen rotkarierten Tischtüchern – einem ehemaligen Salzlager mit gewölbter Decke: Hausspezialität ist das «Coq au vin jaune et morilles» – ein Poulet-Morcheln-Gericht, das mit dem Sherry-ähnlichen Wein der Region zubereitet wird. Wer Lust hat, seine Weinkenntnisse zu erweitern, findet im 13 Kilometer entfernten Arbois – der Hauptstadt der Jura-Weine – zahlreiche Weinhandlungen zum Degustieren. Die Region zählt zu den ältesten Weinanbaugebieten Frankreichs.

Das Museumshaus des genialen Forschers Louis Pasteur befindet sich in Arbois. Copyright: CRT Bourgogne-Franche-Comté

In Arbois befindet sich auch das mehrstöckige Sommerwohnhaus mit Labor des weltbekannten Chemikers und Mikrobiologen Louis Pasteur (1822–1895): Seiner genialen Forschung verdanken wir u. a. die pasteurisierte Milch. Die selbständige Museumsführung erfolgt über Kopfhörer, auch in deutscher Sprache – und lohnt sich.

Malerischer Ausflugsort: Cascades des Tufs ausserhalb Arbois’. Copyright: M.COQUARD et E.DETREZ Bestjobers / Bourgogne-Franche-Comte Tourisme

Die grüne, waldreiche Umgebung lädt zudem zu Naturpausen und zum Wandern ein. Ein Ort, an dem auch Louis Pasteur gerne mit seiner Familie verweilte, ist der abgelegene Wasserfall «Cascade des Tufs» (heute nur noch rund 500 Meter Waldweg ab Parkplatz).
Wer fitter ist, erklimmt beispielsweise den Wanderweg, der von Salins-les-Bains zum Burghügel des Fort St. André hochführt und tolle Weitsicht bietet. Der gegenüberliegende Burghügel befindet sich im Privatbesitz eines bekannten französischen Filmdekorateurs. Wer gerne mehrere Tage wandert: Salins-les-Bains liegt auf der «Via Salina» – dem historischen, rund 160 km langen Wanderweg, der von Bern nach Arc-et-Senans führt, oder umgekehrt.

INFOS

Anreise: Am besten per Auto. Mit dem Zug über Mulhouse, Besançon oder Belfort bis nach Mouchard. Dann noch 8 Kilometer mit dem Taxi.

Wellness: Das Thermalbad ThermaSalina ist nachmittags von 14.30 bis 18.30 geöffnet, am Sonntag auch morgens. Eintritt: 14 Euro.

Unterkunft: Das Drei-Sterne-Hotel Grand Hôtel des Bains bietet 30 Zimmer, die 2016 geschmackvoll renoviert wurden.

Lokale Küche: Gleich unter dem Grand Hôtel des Bains befindet sich das Restaurant «Le Petit Blanc». Tipp: abends reservieren, denn bei unserem Besuch war das Bistro voll besetzt.

Ehemaliges Salzlager: Das «Le Petit Blanc» überzeugt mit lokalen Spezialitäten. (c) Andres Frosch

Zum Entdecken:

Weitere Infos zur Region:

 

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift GlücksPost erschienen. Copyright: Marie-Luce Le Febve de Vivy